Zugewanderte in evangelischen Gemeinden

Die folgenden Feststellungen beruhen auf meinen Beobachtungen in Kirchengemeinden im Siegerland.
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In Familienverbände aufgenommene Zugewanderte - Ehegatten und angenommene Kinder - integrieren sich gut in Kirchengemeinden. Wenn ihre Großfamilie kirchlich ist, gehören sie wie diese Gruppen und Kreisen an oder besuchen den Gottesdienst wie Alteingesessene auch. Auch die aktiven Mitglieder der Kirchengemeinden gehen herzlich auf diese Menschen zu und betrachten sie als Ihresgleichen. Herkunftsländer solcher Personen sind: Türkei, Italien, Polen, Korea, Weißrussland, Litauen, Japan, Südafrika, China, Niederlande, USA, Kasachstan, Irak, Ghana, Kroatien, Jugoslawien, Rumänien, ....
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Einzelpersonen mit Zuwanderungsgeschichte finden sich manchmal in den öffentlichen Gottesdiensten. Das können Flüchtlinge sein oder ausländische Studenten oder einzelne Russlanddeutsche. Zu Gruppen und Kreisen gehören diese Menschen in der Regel nicht. Auch werden sie in der Regel nicht von alteingesessenen Kirchenmitgliedern angesprochen. Diese betrachten sie nur als Gäste und Zugereiste, obwohl sie nach dem Kirchenrecht oftmals vollwertige Gemeindemitglieder sind. In Leitungsgremien dringen diese Menschen fast nie vor. Man sieht sie eher als Objekte der Diakonie als als gleichwertige Partner und potentielle Freunde. Herkunftsländer solcher Personen sind: Iran, Kasachstan, Russland, Togo, ... .
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Familien mit Zuwanderungsgeschichte - Russlanddeutsche, höher qualifizierte Ausländer mit Aufenthaltsgenehmigung oder Zuwandererfamilien mit deutscher Staatsbürgerschaft - nehmen die Dienstleistungen der Kirchengemeinde in Anspruch. Sie lassen sich trauen und lassen ihre Kinder taufen und den Kirchlichen Unterricht besuchen. Am Gottesdienst nehmen sie selten teil. Von den Alteingesessenen werden sie mehr als Fremde betrachet. Dabei hat diese Gruppe besonders stabile Familien mit mehreren Kindern und ist besonders lebenskräftig. Gerade die russlanddeutschen Familien legen auch großen Wert auf kirchliche Amtshandlungen. Nur die Konfirmation ist ihnen aus ihrer Glaubensgeschichte heraus manchmal fremd. Familien mit Zuwanderungsgeschichte halten sich oft zu landsmannschaftlichen Vereinen, wo sie ihre alte Kultur pflegen können, oder schließen sich christlichen Zuwanderergemeinden an, wo der Gottesdienst in der Muttersprache gefeiert wird. Dort treffen sie dann möglicherweise auch die Einzelpersonen mit Zuwanderungsgeschichte wieder. Herkunftsländer solcher Personen sind: Kasachstan, Russland, Tadschikistan, Usbekistan, Ukraine, Moldawien, Rumänien, ... .
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Muslime mit Kindern in evangelischen Kindertagesstätten kommen zuweilen in Familiengottesdienste, wo ihre Kinder mitwirken. Sie schicken ihre Kinder in der Regel gerne in evangelische Kindertagesstätten, da hier die Erziehung mit einem Glaubenshintergrund stattfindet und die evangelischen Einrichtungen den islamischen Glauben achten. Zunehmend gibt es auch muslimische Erzieherinnen, die den Kontakt erleichtern und bei Konflikten vermitteln können. Auch an Einschulungsgottesdiensten nimmt diese Personengruppe teil. Herkunftsländer solcher Personen sind: Türkei, Marocko, Iran, Irak, Afghanistan, Pakistan, ... .
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Muslimische Verwandte und Freunde finden sich manchmal bei Konfirmationen oder Trauungen und Taufen mit in der Kirche. Sie nehmen sogar schon mal am Abendmahl mit teil, wenn alle zum Abendmahl gehen.An solchen Festen sind natürlich auch christliche Zugewanderte mit ihren Freunden und Familienmitgliedern in der Kirche.
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Bei hilfesuchenden Zugewanderten in Beratung und Diakonie ist die Kirche oft hoch angesehen. Man traut der Kirche uneigennützige und effektive Unterstützung zu. Das gilt auch für Muslime. Herkunftsländer solcher Personen sind: alle bisher genannten sowie Bürgerkriegsregionen wie Kosovo, Libanon, Serbien .
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Zuwanderergemeinden treffen sich mancherorts in evangelischen Gemeindehäusern, um dort Gottesdienste in ihrer Tradition und Muttersprache zu feiern. Sie zahlen für die Nutzung in der Regel Miete. Diese christlichen Zuwanderergemeinden haben eine eigene Verfassung, eigene Leitung und oft auch einen eigenen Pastor. Die Beziehungen zwischen der gastgebenden Gemeinde und der Gastgemeinde sind meist distanziert, obwohl man sich nicht übel gesonnen ist. Das könnte daran liegen, dass die alteingesessenen Christen wenig Übung darin haben, mit Christen anderer Herkunft in Kontakt zu treten. Herkunftsländer solcher Gemeinden sind: Korea, Griechenland, Russland, französischsprachiges Afrika, ... (Polen, Italien, in katholischen Gemeinden) .
Exkurs: Russlanddeutsche
Russlanddeutsche werden hier auch als Migranten betrachtet, obwohl sie rechtlich vielleicht einen anderen Status haben. Sie sind sogar Migranten par exellence, weil sie vor Generationen aus Deutschland ausgewandert sind, um im Reich Katharinas der Großen ein besseren Leben zu finden. Unter veränderten politischen und wirtschaftlichen Bedingungen wandern sie jetzt aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion zurück nach Deutschland. Letztendlich suchen sie hier auch wieder ein besseres Leben. Ihr Kommen hat aber auch Flucht-Charakter, da sie unter Stalin öfters umgesiedelt wurden, in ihrem Glauben unterdrückt wurden, und heutzutage in den neuen Republiken wie die Russen Diskriminierung erleiden. Die Russlanddeutschen haben in den Jahrhunderten ihre Kultur und ihren Glauben bewahrt. Allerdings hat sich besonders die letzte Generation mehr und mehr mit dem Russentum assimiliert. So kommen alte Menschen zu uns, die ein altertümliches Deutsch sprechen und als Frauen in der Kirche gerne Kopftuch tragen, und junge Menschen, die besser Russisch als Deutsch sprechen. Für die Evangelische Kirche sind die Russlanddeutschen besonders wichig, da sie die einzige große Zuwanderergruppe bilden, die von Hause aus evangelisch ist.
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