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pfingstbewegungUnfertige Gedanken zur Pfingstbewegung

 


Ermächtigung

Der Pfingstglaube hält die Hoffnung lebendig - gerade für die, die sich machtlos fühlen und über wenig Ressourcen verfügen. Der Pfingstglaube scheint individualistisch zu sein, führt aber zu Engagement und ermutigt Menschen, sich zu entwickeln.

Die Ermutigung und Ermächtigung im Pfingstglauben allein sind es schon wert, diesen zu pflegen - gerade angesichts von verbreiteter Resignation, scheinbarer Ausweglosigkeit und Politikverdrossenheit in der westlichen Welt.

 

Erfahrung

Pfingstglaube ist wesentlich Erfahrungstheologie. Man kann ihn mit Karl Barth als "Theorie der Praxis Gottes" beschreiben.

Erfahrung ist das Wichtigste, was einem Menschen zum Leben hilft. Erfahrung kann allerdings täuschen, wenn man aus seinen Wahrnehmungen die falschen Schlüsse zieht.

Durch die Theorie des Konstruktivismus wissen wir, dass jeder Mensch sich seine Wirklichkeit gedanklich konstruiert und diese oft auch immer wieder selbst real herstellt.

Deshalb muss das Kritische hinzu kommen, um Erfahrungen wirklich wertvoll zu machen und zu bewahrheiten. Barth spricht von "kritischer Theorie der Praxis Gottes", die philosophische Theorie heißt  eigentlich "kritischer Konstruktivismus."

 

Das Böse

Der Vorteil des Dämonenglaubens in der Pfingstbewegung ist, dass man dem Bösen einen Namen geben und es klar adressieren kann. Das Böse scheint im Dämonenglauben sogar angreifbar und beherrschbar zu sein. Außerdem kann man klar zwischen dem von Gott geliebten Menschen und seinen manchmal bösen Antrieben unterscheiden.

Ob dieser Aspekt genügt, um sich mit dem Dämonenglauben zu beschäftigen, erscheint mir fraglich.

 

Biblische Wurzeln

Lukas ist der Evangelist der Pfingstbewegung. Er bringt in seinem Evangelium und in der Apostelgeschichte den Heiligen Geist am meisten ins Spiel. Für Lukas ist der Heilige Geist die treibende Kraft der sich entwickelnden Kirche. Zugleich schildert er die gebrochene Kraft des Satans und der Dämonen.

Matthäus ist der Evangelist der katholischen Kirche wegen seiner Betonung des Petrus und anderer kirchlicher Autoritäten.

Paulus könnte man den Theologen der Protestanten nennen mit seiner abstrakten und hoch stehenden Theologie und seinem unabhänigen Geist.

 

Bildung

Der Pfingstglaube erscheint Europäern als vorwissenschaftlich und unaufgeklärt.

Man muss allerdings feststellen, dass die Afrikaner und Asiaten, die den Pfingstglauben zu uns bringen, sehr gebildete Menschen sind. Sie sprechen Deutsch, Englisch und Französisch oder weitere Sprachen - einige dieser Sprachen sogar perfekt. Außerdem sind sie in der Lage, in mehreren Kulturen real zu leben. Damit sind sie den meisten Mitteleuropäern überlegen. Ein Mangel an Bildung kann also kaum der Grund für ihre pfingstlerische Glaubensüberzeugung sein.

 

Persönlichkeit

Sowohl die starke Erfahrung des Heiligen Geistes als auch den gefühlten Einfluss von Dämonen kann man aus tiefenpsychologischer Sich als Abspaltungen der Persönlichkeit betrachten.  Das gilt umso mehr als der Pfingstglaube stark zwichen guten und bösen äußeren Mächten trennt. Die Persönlichkeitsstruktur der Pfingstgläubigen wäre somit schlecht integriert und unreif, ihre Erfassung der Realität stark vereinfacht.

Diese Kritik trifft allerdings unterschiedlich stark jede Form christlichen Glaubens und sie berücksichtigt vielleicht auch nicht, dass es durchaus geistige Kräfte gibt, die auch auf die reife integrierte Persönlichkeit Einfluss nehmen.

Vielleicht ist es ein Irrtum zu meinen, dass das Rationale und Gesetzmäßige letzendlich die Menschen bewegt.

Vielleicht gibt es ja auch eine "Nachreifung" für die Persönlichkeit, bei der zunächst spirituelle Kräfte von außen empfunden werden, die später Teil der Persönlichkeit werden können.

 

Martin Eerenstein

 

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 15. Dezember 2009 um 18:43 Uhr