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pfingstbewegungDie Pfingstbewegung

eine Frucht der "Reverse Mission" - Kirche der Zukunft?

 

 

 

Es gibt mehrere Gründe für die Evangelische Kirche, sich mit der Pfingstbewegung auseinanderzusetzen:

  • Die starke Konkurrenz durch die Calvary Chapel und andere charismatische Gemeinden, die besonders junge religiöse Menschen und solche mit gewundenen Biographien anziehen.
  • Das starke Anwachsen der Pfingstbewegung bei unseren afrikanischen Partnern in Tansania, die teilweise unter den Einfluss der Pfingstbewegung kommen oder zunehmend von deren Konkurrenz bedrängt werden.

100 Jahre jung ist die Pfingstbewegung und ist schon zu einem neuen Strom des Christentums nach Katholizismus, Orthodoxie und Protestantismus angewachsen. Entstanden um 1910 in der Azusa-Street Church in Los Angeles unter Beteiligung von Reverend William J. Seymour, der ersten gemischtrassigen und schichtenübergreifenden Gemeinde der USA, fand die Pfingstbewegung ihren Weg in die jungen Kirchen der Südhalbkugel. Dort wuchs sie zu einer eigenständigen Größe heran und profilierte sich in Auseinandersetzung mit den religiösen Kulturen Afrikas, Asiens und Lateinamerikas. Vermittelt durch Migranten und ökumenische Kontakte kommt sie auch nach Europa und beeinflusst charismatische Gemeinden und indirekt auch die alten Großkirchen.

Pfingskirchen führen als zentralen biblischen Text Apostelgeschichte 2 an, wo der Geist Gottes über die ersten Christen kam und die versammelten Menschen in verschiedenen Sprachen das Evangelium verstehen ließ und so eine multikulturelle Gemeinde schuf. Aus dieser und ähnlichen Schilderungen des Lukas leiten sie die Lehre von der Geisttaufe ab. Pfingstgemeinden praktizieren Zungenreden, Heilungsgottesdienste, Prophetie und fördern eine gabenorientierte Gemeinde. Sie vertreten eine fundamentalistisch-evangelikale Lehre und eine rigoristisch-konservative Ethik. In besonderen Befreiungs-Handlungen dramatisieren sie die Loslösung aus alten Bindungen und suchen die exklusive Öffnung für das Licht des lebendigen Gottes.

In der Praxis gibt die pfingstlerische Frömmigkeit ihren Anhängern die innere Kraft, sich in der modernen globalisierten Welt zu verorten und trotz widriger Umstände das Leben erfolgreich zu meistern. Die alten Kirchen können es sich nicht mehr leisten, die Pfingstbewegung zu ignorieren oder einfach dogmatisch zu verdammen. Es muss zunächst das Verstehen aus religionswissenschaftlicher, soziologischer und theologischer Sicht wachsen. Es kann auch sinnvoll und geboten sein, Pfingstgemeinden in die ökumenischen Kontakte vor Ort (ACK, Ev. Allianz) einzubinden. Besonders die afrikanischen Zuwanderergemeinden geben uns die Gelegenheit, die Pfingsbewegung ohne Zorn und Eifer zu studieren und eine eigene evangelische Haltung zu ihnen zu entwickeln.

Martin Eerenstein
Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 15. Dezember 2009 um 22:06 Uhr